Was macht Ihr, wenn ein Kind "nicht motiviert" ist

Um die Motivation zu entwickeln, etwas bestimmtes zu lernen, braucht der Mensch ein Ziel, eine Perspektive, den Gedanken 'Das will ich auch können', z.B. Spaß an der Tätigkeit oder die Erkenntnis 'Wenn ich das tun will, gehört dies und jenes auch dazu'.
Wir sind der Überzeugung, dass Lernen ein Prozess ist, den jeder Mensch selbst tut. Lernen kann nicht verordnet werden, wenn derjenige, der lernen "soll", kein Einsehen hat, dass das jetzt gerade unbedingt notwendig ist. Die meisten Kinder sind bei uns den ganzen Tag lang schwer beschäftigt. Indem sie aktiv sind, sich mit Dingen, die sie interessieren, beschäftigen, sorgen sie unbewusst für die Bereitschaft, sich neugierig auf Unbekanntes einzulassen und mehr wissen zu wollen.
Ein Mensch, der körperlich und geistig ausgeglichen ist, entwickelt meist von sich aus die Initiative, etwas dafür zu tun, daß das auch so bleibt. Nun gibt es allerdings auch Menschen, die in besonderen Phasen ihres Lebens weniger aktiv sind. Sie sind öfter mal lustlos, schnell gelangweilt und strahlen wenig Freude und innere Zufriedenheit aus. Dieser Zustand hat Auswirkungen auf die Einstellung zum Lernen. Neugierde, Lust und Kraft lassen nach, vor allem, wenn es darum geht, sich mit Dingen zu beschäftigen, die mühevoll und anstrengend sind. Diese Kinder beobachten wir besonders genau und versuchen Erklärungen für ihr Verhalten zu finden. Halten die lustlosen Phasen länger an und ist es offensichtlich, daß das Kind darunter leidet, versuchen wir durch intensiven Austausch im Team, durch Gespräche mit dem Kind und dessen Eltern, dem Kind zu helfen, den schwierigen Zustand zu verändern.
Es kann sehr unterschiedliche Gründe haben, warum ein Mensch nicht motiviert ist, etwas zu lernen. Es kann eine momentane Abneigung sein, eine Blockade, eine andere Störung, vielleicht einfach keine Lust oder er mag mit irgend jemandem nicht zusammen sein. Vielleicht kann er ja auch den Lehrer nicht leiden oder er will einfach etwas anderes viel lieber machen ...
Daher steht am Anfang immer die Frage nach dem Warum.
"Besonderes Augenmerk" haben wir auf das Lernverhalten der Kinder in den älteren Jahrgangsstufen. Welche Ziele haben sie? Was wollen sie wissen? Womit setzen sie sich auseinander? Haben sie nur Skateboard fahren und abhängen im Kopf und warum? Wie denken sie über ihre Leben nach? Wie ernst nehmen sie den bevorstehenden Schulwechsel? Ist dieses Thema mit Angst besetzt und warum? Oder wird das Thema vermieden oder sich darüber lustig gemacht ...?
Für manche Kinder ist es schwierig, das Bestehen in der 7.Klasse als Ziel anzunehmen, für das es sich lohnt, bestimmte Dinge zu lernen. Wir bemühen uns gemeinsam mit den Kindern greifbarere Ziele zu finden. Oft können auch die Eltern weiterhelfen, wenn sie besondere Interessen der Kinder entdeckt haben, an die man anknüpfen kann. Die Gewißheit, ein Hindernis aus eigener Kraft überwunden zu haben, trägt eher dazu bei, auch in Zukunft Schwierigkeiten nicht als unüberwindlich anzusehen, als alle Erfolge, die dadurch zustande kommen, dass andere die Hindernisse beiseite geräumt haben.