Was bedeutet bei Euch frei?

Unsere Schule ist von Eltern gegründet worden, die ihren Kindern hinsichtlich ihrer Fähigkeiten zum Erwerben von Wissen vertrauten. Wir wollten Lernfreiheit. Die Wahrnehmung von Angeboten der Erwachsenen sollte freiwillig sein. Wir wollten keinen Lehrplan, keine Zeiteinteilungen wie Unterrichtsstunden, keine Bewertungen, keine vorgefertigten Dinge, die " fehlende" Motivation wecken sollten ...
In der Gruppe der jüngeren Kinder ist das gut möglich. Hier kann jeder seinem eigenen Plan folgen, wenn er das möchte. Allerdings gibt es auch hier neben großem Freiraum Absprachen und Regeln, die vor allem das soziale Miteinander betreffen. Insofern kann doch nicht jeder machen was er will, denn das Ausleben der eigenen Freiheit darf andere nicht am Leben hindern.
Es ist schwierig, vollkommene Lernfreiheit aufrecht zu erhalten, wenn die Kinder in der 7. Klasse an eine andere Schule wechseln müssen. Sie möchten wissen, was sie dort erwartet und sie möchten darauf vorbereitet sein. Daher machen wir mit ihnen gemeinsam spätestens zu Beginn der 4. Klasse eine Art Lernplan, um ihnen diese Vorbereitung auch zu ermöglichen. Dieser Plan sieht für jeden anders aus, weil jeder durch die unterschiedlich gelagerten Interessen, Vorlieben und Begabungen in den ersten Schuljahren unterschiedliche Wege gegangen ist. Dazu müssen wir allerdings auch einen Zeitplan machen und die Kinder - wenn nötig - daran erinnern, diesen nach Möglichkeit auch einzuhalten.
Unser derzeitiger Umgang hiermit wird anderweitig ausführlich beschrieben. Das bedeutet nicht, dass von den Erwachsenen ein unumstößliches Konzept vorgegeben wird, auf das die Kinder keinen Einfluss haben. Zu Beginn jedes Schuljahres wird die Einteilung der Lernzeiten neu besprochen, da sich die Zusammensetzung der Kindergruppen verändert und andere Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Für die neue Struktur wird eine Probezeit vereinbart, nach deren Ablauf entschieden wird, ob sie beibehalten werden kann oder nochmals verändert werden muss. Auch wenn jemand, ob Erwachsener oder Kind, sehr unzufrieden ist, wird neu über die bestehenden Verabredungen diskutiert.
Was bedeutet Freiheit noch? Jeder hat eine andere Vorstellung davon, jeder hat andere Bedürfnisse, andere Grenzen. Wo unterschiedliche Bedürfnisse aufeinanderprallen, entstehen Konflikte, Grenzen werden überschritten, absichtlich oder unbeabsichtigt. Solche Konflikte gehören zu Leben. Sie sind notwendiger und wichtiger Bestandteil des "sozialen Lernens". Im Punkt 'Wie geht ihr mit Konflikten um?' wird auf diese Frage näher eingegangen.
Zum Thema Freiheit gehört auch, sich frei bewegen zu können. Die Kinder können sich auf Sport- und Spielplätze in der näheren Umgebung der Schule abmelden, je nachdem, welche Vereinbarung dazu mit ihren Eltern getroffen wurde.