Was heißt „frei“ ?
Ich fühle mich frei, wenn ich aus eigener Einsicht und Bestreben handele, also selbstbestimmt und eigenverantwortlich für mein Tun bin.

Lernen die Kinder genug?
Wann ist es schon genug ???
Aber diese Frage darauf bezogen, wie Kaya sich ihre Welt, in der sie lebt, in all ihrer Komplexität erschließt, so bin ich mit der Schule als ihr Lernumfeld sehr zufrieden.
Misst man diese Frage am Rahmenplan der Regelschulen, also am Wissensstand in den Kernfächern, dann sehe ich bei ihr zwischen „Wissensbergen“ auch einige Talsohlen.
Aber das finde ich nicht schlimm. Ich glaube, sie kann jederzeit alles lernen, wo sie die Einsicht zur Notwendigkeit erkennt.

Schaffen die Kinder den Wechsel?
Diese Frage würde ich eindeutiger formuliere.
Wie schaffen die Kinder den Wechsel zur Regelschule?
Der Unterschied zwischen einer Freien Schule und einer Regelschule ist groß und wird von den Kindern auch so erlebt. An den neuen Schulalltag, die andere Lernstruktur und Umgangsweise müssen sie sich gewöhnen, nebenbei noch Wissenslöcherstopfen. Wie ein Kind diese Situation meistert, hängt von seiner Persönlichkeit und auch vom Rückhalt und Vertrauen der Eltern ab. Aus Gesprächen mit Abgängern weiß ich, dass sie nach 2-6 Monaten den Wechsel als gemeistert sahen.

Auf welche Schulen gehen die Kinder danach?
Kaya möchte auf ein Gymnasium. Für den Wechsel werde ich mich über die unterschiedlichen Schulen schlau machen und durchaus auch nach Alternativen zur staatlichen Schule suchen. Die meisten Kinder gehen aber aufs staatliche Gymnasium oder in eine Gesamtschule.

Ist eine Freie Schule nicht elitär?
Sicher stehen hinter dem Entschluß, sein Kind auf eine Freie Schule zu schicken, bei den Eltern ähnliche Ansichten und Wünsche. Daran orientiert sich auch das Aufnahmeverfahren.
Insofern wird eine Auswahl getroffen und das ist durchaus elitär. Aber nicht elitär im dem Sinne, dass die Schule ein Sammelbecken von gesellschaftlich Privilegierten ist.

Was lernen die Kinder?
Jeden Tag sind hier 50 Kinder und einige Erwachsene, alle mit eigenen Ideen und Vorstellungen von diesem Tag. Außerdem gibt es ein paar Fixpunkte, wie Räume, Verabredungen, Regeln, Verantwortlichkeiten, Rahmenplan. Und dann geht es los. Wann mache ich was, mit wem, wo und wie. Da muss einem erst einmal etwas einfallen, man muss sich mit anderen darüber verständigen, sich die Mittel und Örtlichkeiten verschaffen, nebenbei die Fixpunkte einhalten,.... Die Schule ist ein äußerst komplexes Lernzentrum mit vielfältigsten Möglichkeiten, eben das Leben in einem kleineren Rahmen. Die Kinder lernen sich selbst zu definieren.

Gibt es Noten und Hausaufgaben?
Es gibt keine Benotung und keine Hausaufgaben.
Es gibt auf Wunsch Wochenpläne, deren Aufgaben im Laufe der Woche erledigt werden sollen. Das kann man natürlich auch zu Hause machen, ist aber eigentlich für die Schule gedacht. Manchmal verlangen ältere Kinder ausdrücklich eine Benotung für eine Arbeit, um sich in Vergleich mit der Regelschule setzen zu können. Das sind aber bewusste Ausnahmen, die ungern gemacht werden.

Mein Leben mit der Freien Schule
Diese Freie Schule passt hervorragend in mein Leben. Ich muss nicht in aller Frühe aufstehen, ich muss mich um keine Hausaufgaben kümmern, es braucht keine Schulutensilien, ich muss Kaya keinen Druck machen und habe selber keinen Stress dadurch. Kaya geht es dort gut. Sie hat Freunde und vieles zu tun. Sie ist von 9.00 bis 16.00 Uhr bestens versorgt; ich kann der Schule einfach vertrauen und mich derweil um meine Angelegenheiten kümmern.
Falls ich Probleme mit irgendetwas habe, werde ich angehört. Die Schule lässt mich gut leben.
Außerdem hat mich diese Schule intensiv in die Auseinandersetzung mit meinem eigenen Lernweg und Werdegang geführt. „Was lernen? Wofür lernen? Wie leben wollen?“ Dadurch war die Schule auch für mich selber lehrreich. Und ich habe Menschen getroffen, für die das auch ein Thema war. Das tat und tut mir gut.
Dass diese Schule (im Vergleich zur Staatsschule) mehr Geld und persönliches Engagement (Putzen, regelmäßige Eltern- und Mitgliederversammlungen, Arbeitsgruppen, Baueinsätze...) braucht, finde ich gerechtfertigt und leistbar.

Meine Motivation für eine Freie Schule
Ich wollte für meine Tochter, was ich als Kind vermisst habe bzw. was ich auch heute für mich selbst beanspruche:
- respektvolle Beziehungen auf gleicher Augenhöhe, auch zwischen Kindern und Erwachsenen
- Vertrauen in die Neugier und die Lernfähigkeit des Menschen, ohne Druck
- keine Verurteilung von Fehlern,
- Eigenverantwortlichkeit,
- verhandelbare Bedingungen bzw. Freiräume.
Außerdem glaube ich, dass eine Freie Schule, die ihren Schwerpunkt mehr auf Fähigkeitserwerb setzt, als auf Wissenserwerb, mehr auf Eigenverantwortung, denn auf Pflichterfüllung, eher der heutigen Zeit und den Ansprüchen der Zukunft gerecht wird als die traditionelle Staatsschule.