Meine Erfahrungen an der Freien Schule
Ich bin seit 2002 Teil der Schulgemeinschaft der Freien Schule. In diesem Jahr ist mein Sohn Aaron in die Freie Schule Prenzlauer Berg eingeschult worden, damals noch mit Sitz in der Thomas-Mann-Schule, 2005 ist dann mein Sohn Rasmus eingeschult worden, schon in der Wollinerstraße.
Für mich war im Grunde genommen seit Aarons Geburt klar, dass ich ihn nicht auf eine reguläre öffentliche Schule schicken wollen würde. Ich selbst bin in den 70er Jahren in Westdeutschland in einen antiautoritären Kinderladen gegangen und habe die Erinnerung an das Gefühl als Kind ein Leben in weitestgehender Freiheit führen zu können, nie verloren. Ich habe mich dann in jugendlichem Alter, lange bevor ich selbst Kinder hatte, intensiv mit A.S. Neill und der Summerhill School auseinandergesetzt und war dadurch und durch meine eigenen Erfahrungen überzeugt, dass Freie Schulen einfach die besseren sind J
In der Freien Schule Prenzlauer Berg/am Mauerpark sahen sowohl ich als auch Aarons und Rasmus’ Vater eine gute Möglichkeit, dass unsere Kinder in ihrem Tempo und auf ihre Art und Weise das lernen können, was sie interessiert. Wir hatten und haben keine Zweifel daran, dass Aaron und Rasmus Lesen und Schreiben und Rechnen lernen wollen und können, aber wir hatten und haben große Zweifel daran, dass sie an einer öffentlichen Schule ihre anderen Interessen gleichermaßen verfolgen können.
In der Freien Schule Prenzlauer Berg/am Mauerpark haben wir erfahren, dass beides geht und dürfen erleben, wie sich unsere Kinder dort wohl fühlen und entwickeln.
Als Ursache dafür betrachten wir:
- die Übersichtlichkeit der Schule (50 bis max. 60 Kinder)
- die Anwesenheit und das Engagement von 8 LehrerInnen und PädagogInnen und 2 Menschen im Büro sowie einer Hausmeisterin, die in ihrer Unterschiedlichkeit auf die Unterschiede bei den Kindern eingehen können, und Beziehungen sowohl zu Kindern als auch zu Eltern zulassen
- die Möglichkeit der Kinder sich jederzeit draussen bewegen zu können
- die Möglichkeit der Kinder sich in geschützte Räume zurückziehen zu können
- die Möglichkeit der Kinder nicht immerfort unter der Beobachtung von Erwachsenen zu stehen
- die Möglichkeit der Kinder sich mit Kindern anderer Altersstufen zu befreunden und auseinanderzusetzen
- die Möglichkeit der Kinder frei von Zensuren und Tests sich Themen ihres Interesses zu erarbeiten
- die Anwesenheit und das Engagement vieler Eltern, die bereit sind Beziehungen auch zu anderen Kindern einzugehen
- das Eingebundensein in ein soziales Netz „Freie Schule“.
Die Möglichkeit als Eltern am Schulleben unserer Kinder teilzuhaben, schätzen wir beide sehr und engagieren uns entsprechend in unterschiedlichen Schulgremien. So war Aarons und Rasmus’ Vater 1,5 Jahre (2004/05) im Vorstand des Trägervereins (Freies Lernen in Berlin e.V.) tätig, während ich mich 2003 für ein halbes Jahr interimsmäßig um die Schulverwaltung kümmerte und darüber hinaus mich in Bewerbungs- und Aufnahmekommissionen und anderen Arbeitsgemeinschaften engagierte.
Der intensive, manchmal fast freundschaftliche Kontakt zu LehrerInnen und PädagogInnen der Schule sowie vielen anderen Eltern lässt uns immer wieder aufs Neue das Vertrauen in die Richtigkeit unserer Entscheidung fassen. Und das auch, wenn es das ein oder andere Mal zu Differenzen gekommen ist.
Nicola Kriesel im Januar 2007